War da mal Wald?

Das Orkantief "Niklas" hat in Bayerns Wälder keine großflächigen Schäden angerichtet. Das hat Forstminister Helmut Brunner in einer Presseerklärung mitgeteilt. Eines ist sicher, in unserem Lehrrevier war der Minister nicht, als er Bilanz zog. Denn dort gibt es Flächen, wo teilweise kein Baum mehr steht. Doch fangen wir von vorne an:

Es war gar nicht so einfach, nach dem Sturm ins Revier zu kommen, um zu sehen, ob Niklas etwas angerichtet hat, denn die B 13 war gesperrt, nicht nur am Tag des Sturms, sondern auch noch am Tag danach. Ein Baum - etwa in Höhe der Kreuzung von der B13 und der M 11 nach Oberhaching ist dort auf ein Auto gestürzt. Am Mittwoch Abend sind wir dann endlich durchgedrungen. Das heißt, noch nicht gleich, erst musste der Rainer die Motorsäge zücken und den Weg zur Hütte freischneiden.

Das war der erste Eindruck, huch, irgendwas stimmt da nicht. Die Hütte und der Schuppen stehen noch, das ist schon mal gut. Der Sitz im Hof ist umgefallen, das war zu erwarten. Aber fehlt da nicht was? Genau, unser Stangenlager. Das hatten der Michi und Rainer doch gerade erst perfekt angelegt.

So sieht es jetzt aus. Die Bäume wie umgemäht. Die Stangen - teilweise abgebrochen, es sieht aus als ob eine Bombe eingeschlagen hätte.

Den Weg vor zum Saubogen versperrt uns gleich eine Schwarzerle, die allerdings innen, wie wir sahen, schon sehr morsch war. Langsam tasten wir uns vorwärts. Die Hütte und der überdachte Aufbrechplatz sind ganz unversehrt. Ihnen fehlt nichts.

Doch hinter dem Schuppen sehen wir, dass ein Baumwipfel auf das Dach gefallen ist. Es sieht allerdings nicht so aus, als ob viel kaputt gegangen wäre. Gefährlicher ist die große schräge Fichte, die bedrohlich über unseren Köpfen zwischen zwei Bäumen hängt. Wenn die runterkracht, könnte der Schuppen erwischt werden. Das überlebt der nie.

Wie flach die Baumscheibe der Fichte ist, ein echter Flachwurzler. Da kann man leicht verstehen, dass dieser Baum wenig Halt im Boden hat.

Wir machen uns auf den Weg hinter der Hütte und sehen vor uns ein Bild der Verwüstung. Wie Mikadostäbe liegen die Baumriesen kreuz und quer, die meisten hat der Strum mit dem Teller umgerissen, aber es gibt auch Windbruch. Der Hochwald hinter der Hütte sieht aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Mühsam arbeiten wir uns durch das Geäst der Bäume, klettern über Stämme oder kriechen unten durch. Und unsere beiden Sitze? Sie stehen noch, so als ob nichts gewesen wäre.

Zum Teil stehen die Stämme unter einer riesigen Spannung, weil sie von anderen Bäumen umgelegt wurden. Am Stauchertinger Weg ist uns das Weitergehen erst mal versperrt. Auch da müssen wir uns erst einmal durchkämpfen.

Dann wird's spannend: Ob die Donna-Kanzel noch steht? Ein Blick nach hinten, sie grüßt zu uns herüber.

Glück im Unglück, noch haben wir nicht alle Sitze kontrolliert, aber wirklich beschädigt haben wir bisher nur einen einzigen entdeckt: Die Hasenkanzel. Immer wieder sehen wir Bäume vor und neben der Kanzel, aber alle, die wir kontrollieren konnten, waren heil. Bis auf diese eine und die ist umgefallen, weil der Boden unter ihr gekippt ist. Die Kanzel stand auf dem Wurzelteller, es hat sie quasi rausgedreht.

Auch am Römer West - er wurde beim letzten großen Sturm 2008 umgeworfen - waren kleine Blessuren zu entdecken. Zwei Stangen, die an der Verschalung festgenagelt waren, haben die Schalbretter herausgerissen. Aber das ist schnell repariert.

Ein Bild des Grauens dagegen auf der Waldlehrfläche. Sie ist nicht mehr da. Wo wir mit so viel Mühe Bäume und Sträucher gepflanzt, gepflegt und präsentiert haben, liegt jetzt der Hochwald von der Fläche dahinter, die ist jetzt frei, ein Kahlschlag sozusagen.

Auf dem Weg zurück geht es am Saubogen nicht mehr weiter, zu viele Bäume versperren den Weg, wir kämpfen uns durch den Wald zurück zur Hütte. Auch da - nur Verwüstung: Unser kleiner Schießstand wurde von einer Fichte mittendurch getroffen. Die Fräse ist zwar nicht kaputt, aber völlig eingegraben. An Wildacker-Anlegen ist jetzt wohl nicht zu denken.
An Revierarbeiten auch nicht. Aber, wie sagte doch der Minister: Das Orkantief "Niklas" hat keine großflächigen Schäden angerichtet. Peanuts eben.

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