Auf Jagd im Löwenbräukeller

Wo bin ich denn da gelandet?, mag sich so mancher gedacht haben, als er am Montag Abend zu unserer Vortragsveranstaltung in den Löwenbräukeller kam. Denn da war richtig was los. Krähen wohin man schaut. Ein ganzer Schwarm schwarzer schlauer Vögel tummelte sich da auf dem Boden vor den Tischen. Dahinter hat sich ein gut getarnter Jäger klammheimlich hinter einem Schirm aus Tarnnetzen versteckt. So einen Vortrag hatten wir noch nie. Wir wurden sozusagen mit auf die Jagd genommen.

Selbst auf den Tischen haben sie sich breit gemacht, die schwarzen Vögel. Von der langen Angel baumelte eine Elster im Raum, überall nur Rabenvögel, fast wie im Revier.

Gerhard Müller, passionierter Krähenjäger und ein absoluter Kenner der schwierigen Jagd auf den Rabenvogel ist bis aus Donauwörth angereist, um uns in die Geheimnisse der Krähenbejagung einzuweihen.
Eins gleich vorneweg, leicht ist es nicht, eher ziemlich mühsam.

Das fängt schon mit den Vorbereitungen an. Mit dem freundlichen Lockbild - es soll den Krähen vorgaukeln, dass es hier viel und gut zu fressen gibt - jagt man am besten in der Morgendämmerung. Das heißt, aufgebaut wird, wenn es noch dunkel ist. Damit die schwarzen Vögel nichts mitbekommen. Doch die Lockkrähen aus Kunststoff brauchen viel Platz, also muss der Jäger erst einmal einen riesigen Sack voll Krähen an den Platz schaffen. Am besten funktioniert die Jagd auf dem freien Feld, auf abgeernteten Stoppeläckern zum Beispiel.
Ganz wichtig: Das Auto ist weit weg, denn die Krähen kennen es längst.

Das so genannte freundliche Lockbild simuliert einen Schwarm. Das heißt, es müssen mindestens 60 bis 70 Vögel sein, die da am Boden herumstehen. Da können Kunststoff-Krähen sein, aber auch schon vorher erlegte, die eingefroren werden und kurz vor der Jagd aus der Tiefkühltruhe kommen.

Der zweite wichtige Baustein für die erfolgreiche Krähenjagd ist der Schirm. Das Lockbild wird in Schrotschuss-Nähe aufgebaut, das heißt, die ersten Krähen stehen etwa so in fünf Meter Abstand zum Schirm, die letzten bei maximal 25 Meter. So können auch noch Krähen sicher erlegt werden, die wieder abstreichen. Außerdem sind die Krähen am Rande des Lockbilds eine Hilfe für das Einschätzen der Schussentfernung.

Beim Schirmaufbau muss man darauf achten, dass der Schirm hoch genug ist. Es darf wirklich nichts mehr vom Jäger zu sehen sein. Am besten, rät Gerhard Müller, sollte der Kopf beim Sitzen etwa 30 Zentimeter unter der Schirmkante sein.
Linkes Bild: So nicht, sondern besser so wie auf dem rechten Bild

Man kann jetzt verschiedene Arten von Krähen verwenden. Relativ teuer sind die so genannten beflockten Krähen. Sie werden auf den Boden gestellt oder gesteckt und bewegen sich auch bei leichtem Wind. Si sehen sehr natürlich aus und wirken gut.
Ältere Varianten waren nicht beflockt, sie glänzen in der Sonne, die Krähen sind gewarnt und fliegen nicht ein. Abhilfe schafft ein alter schwarzer Nylonstrumpf, der über die Krähe gezogen wird.

Wesentlich günstiger und nicht so aufwändig zu transportieren sind Neopren-Krähen aus Amerika. Acht Stück kosten etwa bis zu 70 Euro. Sie werden schnell und einfach zusammengesteckt. Der Nachteil, sie bewegen sich nicht.

Ein Muss für jeden Krähenjäger ist ein so genanntes Karussell. Eine smit drei Vögeln ist schon für rund 50 Euro zu haben. Das Gute daran: Die Vögel bewegen sich schon beim leisesten Windhauch. Das macht das Lockbild natürlich, es wird besser angenommen.

Gut bewährt hat sich auch eine Krähe oder eine Elster am Haken. Dazu verwendet man am besten eine alte Angelrute - sie ist oft billig am Flohmarkt zu ergattern. Daran wird der Vogel gehängt. Auch hier kann man gut eine tiefgefrorene Elster benutzen. Der Sinn dieser Installation: Der Vogel sitzt oder fliegt oben, zum Beispiel auf einer Hecke. Das signalisiert füt die Krähen Sicherheit. Sie fliegen ein.

Normalerweise fliegen die Krähen das freundliche Lockbild nicht im Pulk an, sondern vereinzelt, zwei, drei oder auch ein paar Vögel mehr.
Im Juli aber sind auch bei den Krähen gerne so genannte Junggesellen-Trupps unterwegs. Sie fliegen in größeren Schwärme und sind noch unerfahren.

Wenn der Jäger nun in das Lockbild eine MC-Donalds-Tüte legt - auf die fahren die Krähen geradezu ab - oder auch eine quietsch-gelbe Quietsche-Ente. Dann finden die Jungvögel das besondes interessant und fliegen darauf. So hat man schnell guten Erfolg bei der Jagd.

Erfolgsversprechend für die Krähenjagd ist auch ein so genanntes Feindbild. Dafür braucht man weniger Krähen und einen Fressfeind. Einen Fuchs zum Beispiel. Wenn man jetzt noch eine tote Krähe dazu legt, läuft das Locken fast automatisch. Denn die Krähen wollen ihrem toten Gefährten zu Hilfe kommen und hassen dann auf den Fuchs. Das heißt, sie fliegen nah heran und tief und sind so leicht zu erlegen. Bestens geeignet ist auch ein Habicht-Präparat. Solche ausgestopften Tiere kann man oft auf dem Flohmarkt ergattern. Aber auch ein erlegter Fuchs, tiefgefroren und dann steif in die Wiese gestellt erfüllt den Zweck. Den größten Erfolg erzielt man mit dem Plastik-Uhu, dem Hühnerfedern (keine weißen natürlich ) aufgeklebt wurden.

Übrigens zu zweit funktioniert die Krähenjagd am besten. Mehr Leute sind nur schwer im Griff zu haben und Disziplin ist oberstes Gebot bei der Krähenjagd. Denn ein Schneuzer oder eine nervöse Bewegung bekommen die Vögel sofort mit. Die Flinte sollte übrigens nicht auf Hochglanz poliert sein, auch das vertreibt die Krähen, die uns schon Hunderte von Metern erspähen können. Ein Damenstrumpf über den Lauf gezogen verschafft Sicherheit. Und auch das Fernglas bleibt bei der Krähenjagd zuhause.
Und der Erfolg? Große Strecken, so betont Gerhard Müller, darf man sich auf der Krähenjagd nicht erwarten. 10 bis 15 Vögel bei zwei Stunden Morgenjagd zu zweit, ist ein sehr gutes Ergebnis. Der erfahrene Krähenjäger empfiehlt, alle zwei bis drei Wochen zu jagen und jeweils in einem anderen Revierteil. So hat er jedenfalls die besten Erfolge gemacht. Waidmannsheil und ein herzliches Dankeschön an Gerhard Müller für den spannenden Abend.

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