Mit dem 40 - Ender auf Du und Du

Das neue Jahr hat mit einem ganz besonderen Erlebnis begonnen: Es ging in den Landkreis Weilheim/Schongau zum Kreilhof am Fusse des Peißenbergs. Nein, mit dem Jennerwein hatte unsere Exkursion nichts zu tun, aber der gewaltige Hirsch, den wir dort zu sehen bekamen, der hätte dem Wildschütz auch gefallen. Doch fangen wir von vorne an.

Um 11:00 Uhr vormittags treffen wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf dem Kreilhof. Professor Dr. Günter Spatz, der Vorsitzende des Landesverbandes Bayerischer Wildhalter und selbst Jäger und Gehegewildhalter, erwartet uns schon. Er führt uns zu seinem Rotwildgehege: Einem riesigen Gatter. Die Zäunung ist das Teuerste bei einer solchen Anlage. Schließlich muss der Zaun über 2 Meter hoch sein und Jahrzehnte halten.

Auf den 27 Hektar Gehegefläche werden drei Rotwild Rudel gehalten. Das garantiert eine geringe Besatzstärke, denn im Gatter soll alles möglichst ähnlich den natürlichen Verhältnissen sein. Deshalb holt Günter Spatz auch sein Winterfutter von der Gehegefläche.
Wir müssen nicht lange suchen, das Wild zeigt sich schnell, nachdem Günter Spatz mit dem Lockeimer ins Gehege gegangen ist.

Bäume und Sträucher müssen während ihrer Jugendphase eingezäunt werden, damit sie hochkommen können. In jeder Koppel gibt es auch eine Wassertränke. Durch ein ausgefeiltes Wasser - Verbund - System ist das Wasser immer im Fluss, die Tränkebecken frieren nicht zu.
Als Futtergrundlage im Winter dienen Heu und Grassilage. Daneben füttert Günter Spatz im Herbst Eicheln und Kastanien. Im Winter wird der Obstbaumschnitt ins Gatter geworfen. Eine willkommene Abwechslung, das Wild jedenfalls findet das Obstholz zum Anbeißen gut. Kraftfutter gibt es für das Rotwild am Kreilhof nicht.
'Wir brauchen nicht lange zu suchen. Kurz nachdem Günter Spatz mit einem Eimer voll Lock-Leckerli ins Gehege gegangen ist, taucht das Rudel auf:

l

Sie haben uns entdeckt, noch schauen die Tiere vorsichtig zu uns herüber, aber bald verlieren sie die Scheu und kommen näher.

Dann sehen wir ihn, den "Gigant", und er macht seinem Namen alle Ehre: 40 Enden und das im achten Kopf, ein wahrlich kapitaler Hirsch.

In früheren Zeiten war Wild nur den Fürstenhöfen, den Herrscherhäusern und den geistlichen Würdenträgern vorbehalten. Das Wild kam aus freier Wildbahn oder aus speziellen Wildgehegen. In den 1970 iger Jahren begannen Landwirte mit der landwirtschaftlichen Wildhaltung. Neben Damwild wird immer öfter auch Rotwild im Gatter gehalten.

So natürlich die Bedingungen für die Rudel im Gatter auch sind, manches ist anders in der Wildhaltung. Es gibt zum Beispiel keine Schonzeit. Das heißt der Gehegebesitzer kann das ganze Jahr über Tiere erlegen. Natürlich ist er selbst daran interessiert, kein trächtiges oder führendes Kahlwild zu schießen. Anders als in freier Wildbahn sind auch die Hygiene Bestimmungen: Für Gehege Wild muss immer eine Fleischbeschau durchgeführt werden.

Wir üben uns im Ansprechen und versuchen männliche von weiblichen Kälbern zu unterscheiden. Leicht ist das nicht. Die männlichen Kälber sind Kräftiger als die jungen Damen im Hirschrudel. Aber , ehrlich gesagt, für unsere ungeübten Augen sehen alle etwa gleich aus.

Zurück an der Hofstelle begutachten wir noch den Schlacht und Zerwirk- Raum. Günter Spatz schießt die Tiere mitten im Rudel. Er hat immer ein paar Leckerli dabei, im Eimer, auch wenn er schießt. Natürlich nicht täglich , aber oft, schließlich vermarktet er rund 100 Tiere pro Jahr. Er geht täglich ins Gehege, das Wild kennt ihn und hat keine Angst. Und auch nach dem Schuss gibts für den Rest was Feines zu Naschen.
Als Frischfleisch vermarktet Günter Spatz nur junge Tiere. Die alten werden zu Wurst und Schinken gemacht. Ein Genuss, der sich lohnt und den wir zum Abschied noch einmal voll auskosten.

[zurück]