Abenteuer Wald

Es ist ein strahlend schöner Sommertag am 5. Juni 2011, dem Sonntag nach Christi Himmelfahrt und schon reichlich vor 14:00 Uhr sind die ersten Gäste am Treffpunkt an der Ulrichskapelle eingetrudelt. Auch heuer wieder hat der Münchner Jägerverein eine Waldwanderung im Rahmen von Bayern Tour Natur angeboten.

Noch müssen wir ein wenig warten, bis alle da sind. Aber es wird keineswegs langweilig, denn mit von der Partie sind natürlich auch Auri und Dodo. Und sofort dreht sich alles nur noch um sie: Die kleine freche Auri ist die Sensation.

Pünktlich um zwei kann's dann los gehen. Es ist eine ganz schön große Gruppe ist zusammengekommen. Rainer Braun begrüßt die Gäste, die zu uns ins Lehrrevier gekommen sind.

Erste Station auf der Entdeckungsreise durch unseren Wald ist die Waldlehrfläche. Ausgerüstet mit ein paar Fragen werden alle los geschickt, um ihren Baum zu finden. Gesucht wurden Ahorn und Kastanien, Buche, Eiche, Tanne, aber auch schwierigere Bäume, wie die Esche. Kein Problem, die Gruppen haben die Aufgabe perfekt gemeistert.
Und weil unsere Waldlehrfläche auch sonst noch einiges zu bieten hat, nutzen die Besucher gleich die Gelegenheit, sich die Bäume und Sträucher unseres Waldes sozusagen in Augenhöhe anzuschauen.

Rainer Braun hat in seinem Rucksack dann auch noch viele verschiedene Zapfen mit gebracht. Zapfen von der Fichte, von der Kiefer und von der Douglasie zum Beispiel. Wir üben uns, die Unterschiede zu erkennen, lernen, dass die Lärche als einziger Nadelbaum ihre Nadeln im Winter abwirft und erfahren, warum wir auf dem Waldboden keine Tannenzapfen finden.

Nach so viel Kopfarbeit ist Entspannung angesagt. "Den Waldboden erspüren", heißt die nächste Aufgabe. Wir laden ein zu einer kleinen, fiktiven "Nachtwanderung". Möglich wird die bei strahlendem Sonnenschein durch eine Augenbinde.
Blind, nur mit dem Vordermann in Kontakt, verlassen wir uns beim Gang über den Waldboden ganz auf unser Gefühl. Pötzlich wird der Pfad zum Abenteuer: Jede noch so kleine Unebenheit ist zu spüren.
Doch keine Angst: Rainer führt die ganze Truppe sicher durchs Gelände.
Das macht richtig Spass.

Sicher angekommen, bleiben die Augen noch geschlossen. Denn nun steht die Jägerprüfung auf dem Programm. Eine Minute lang sind alle ganz still und hören in den Wald.
Eine Minute kann ganz schön lang werden. Was da alles zu hören ist: Die Hunde schnaufen ganz laut, die Vögel erscheinen richtig schrill und den Lärm der Autobahn nimmt man erst jetzt richtig wahr. Ganz schön laut ist es hier im Wald!
Nach bestandener Prüfung besuchen wir noch die Wildacker-Demofläche mit den vielen verschiedenen Angeboten an Leckerbissen für Hase, Reh, Fasan und Wildschwein. Für alle wird hier etwas geboten, vom Stammtisch bis zum Wildacker-Eintopf.

Am Wegrand entdecken wir zarte Glockenblumen und einen Wildrosenstrauch in voller Blüte. Wir finden einen Kirschbaum und lernen, was ein Wechsel ist.

Dann kommt der Höhepunkt der Wanderung: Wir biegen ab, ins Wohnzimmer der Rehe. Jetzt heißt es leise sein, damit wir das Wild im Einstand nicht allzu sehr stören.

Nach dem Wildacker machen wir Halt: Jetzt heißt es genau hinschauen: An den jungen Bäumen, kann man erkennen, dass hier ein Rehbock zuhause ist. Die dünnen Stämme sind verfegt, die Rinde hängt in Girlanden herab:

Rainer zieht aus dem Rucksack eine ganze Parade von Rehgehörnen und erklärt, was es mit dem Fegen auf sich hat: Zuerst ist der Rehbock noch im Bast, unter dem Bast ist das Gehörn ganz weiß, erst durch das Fegen am Gehölz wird das Gwichtl braun, gefärbt quasi durch die Pflanzensäfte.
dann suchen wir noch nach Losung. Auch das ein sicheres Zeichen, dass hier Rehe wohnen.

Der Himmel zeigt sich von seiner schönsten Seite: kitschig blau, garniert mit ein paar weißen Wölkchen, echt bayerisch halt.

Hier im Dickicht ist es brütend heiß.

Trotzdem hören alle aufmerksam zu.

Nur Auri reichts langsam. Sie ist die ganze Zeit lustig mitgesprungen. Doch jetzt braucht sie eine kleine Pause: Bitte tragen ! Vorher aber muss sie erst noch ihren Durst stillen, Wandern macht soooo durstig.

Auf dem Weg zur nächsten Station kommen wir an diesem Insekten-Hotel vorbei. Doch nicht nur Ameisen, Käfer und Wildbienen fühlen sich hier wohl, auch der Specht und die Bilche brauchen Totholz im Wald.

Der nächste Abschnitt ist nichts für Mimosen, der Weg wird unwegsam. Wir wandern entlang einer Rückegasse, in der die Holzarbeiter die Äste der Bäume ablegen, sozusagen als Polster, damit die schweren Maschinen den Boden nicht zu sehr belasten. Da hilft nur eins: Augen auf und durch, denn hier lauern die reinsten Stolperfallen.

Doch bald drauf ist der Hochwald erreicht und mit ihm wieder sichere Pfade. An der nächsten Station dreht sich alles um den Hasen. Rainer Braun erklärt den Unterschied zwischen Hase und Kaninchen und erzählt, wo die Hoppel leben und wie sie ihre Jungen aufziehen.

Gute Gelegenheit, es sich im Moos ein wenig bequem zu machen und auszuruhen.

Doch gleich sind alle wieder hell wach. Denn jetzt können wir einen Blick in die Baumkronen werfen. Spiegel werden ausgeteilt. Zuerst halten wir die Spiegel nach oben: Der Blick in die Wipfel ist grandios. Wir fühlen uns fast so, als ob wir durch die Kronen wandeln. Dann wird der Spiegel umgedreht und diesmal ist es die Perspektive von unten, die uns in den Bann zieht. Auch unser Vorsitzender Claus Emig ist ganz fasziniert.

Am Wegrand finden wir noch einen praktischen Sonnenschutz: Die riesigen Blätter der Pestwurz lassen sich prima als Hut nutzen. Alle pflücken sich schnell noch ein Blatt im Vorbeigehen.
Auri hat jetzt die Schnauze voll vom vielen Latschen. Kein Problem, jeder will den kleinen Zappelphilipp tragen.

Wir biegen ab in den Hochwald zum letzten Abschnitt unserer Tour: Rechts und links wachsen Heidelbeeren und jede Menge "Dinomoos", der Bärlapp, eine der ältesten Pflanzen unserer Breiten. Wir bestaunen die Löcher, die der Specht geschlagen hat und entdecken den Bau, in dem es sich Fuchs und Dachs bequem machen.

Schließlich wird es noch einmal richtig spannend: Entlang einer Schnur sind jede Menge Sachen ausgestreut, Dinge, die man im Wald finden kann und Gegenstände, die im Wald nichts zu suchen haben. Wer kann die meisten Teile nennen? DAs ist gar nicht einfach und diesmal waren die Kinder eindeutig die bessere Mannschaft.

Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir die Jagdhütte. Claus und Ursel haben längst den Ofen angeschürt und die Würstel heiß gemacht: Nur noch schnell Hände waschen und dann heißt's: Essen fassen. Wie immer hat der Münchner Jägerverein Brezen, Würstel und Getränke spendiert. Vielen Dank an unseren Vorsitzenden Claus Emig!

Das tut gut, denn wandern macht doch ziemlich hungrig.

Und die Hunde? Auri ist völlig platt und schläft sich jetzt erst einmal richtig aus. Dodo lässt sich noch gerne ein bisserl verwöhnen und zum Revierkönig krönen.

Nach einer gemütlichen Plauderrunde und gestärkt von der reichlichen Brotzeit machen sich unsere Gäste wieder auf den Weg zum Parkplatz.
Wir müssen noch ein bisserl da bleiben, die Präparate und Plakate einsammeln und alles wieder abbauen und aufräumen. Doch mit vereinten Kräften ging das ratz fatz.
Am Abend jedenfalls steht fest: Bayern Tour Natur war wieder einmal ein ganz besonders gelungenes Waldabenteuer.

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