Spurensuche im Wald

Zugegeben, es war ein kurzfristiger Termin, dafür hochkarätig besetzt. Am letzten Sonntag im Juli konnten wir einen der großen Nachsuchenspezialisten gewinnen für die Arbeit nach dem Schuss. Manfred Lindsey und sein Jagdkollege Ludwig haben sich die Zeit genommen, zu uns ins Lehrrevier zu kommen und uns zu zeigen, wie man genau hinschaut. Manfred Lindsey ist seit langem ein gefragter Nachsuchenführer und der Vorsitzende vom BJV-Ausschuss Jagdhundewesen, vor allem ist er Hundemann. Doch beim Anschussseminar müssen wir erst einmal selbst den Blick schärfen.

Zunächst ging es um die Theorie. "Warten können" heißt das Zauberwort für die erfolgreiche Nachsuche. Die zweite wichtige Voraussetzung ist die Frage, wo saß der Schuss? Der Anschuss verrät viel darüber, wie und wann der Hund dann eingesetzt werden muss.
Ein wichtiges Handwerkszeug, um den Anschuss richtig zu deuten, ist das Schnitthaarbuch.
Es ist gar nicht so schwer, ein solches Schnitthaarbuch herzustellen. Am besten schneidet man mit der Rasierklinge am erlegten Wild ein wenig Haar von der Decke ab. Das ist realistisch, denn durch den Schuss werden die Haare auch geschnitten. Wichtig ist, dass das Haar von allen Körperstellen kommt, von der Innenseite der Keule, vom Bauch, vom Lauf , von überall eben, wo der Schuss sitzen kann.

Die so gewonnen Haarbüschelchen werden auf ein Papier geklebt. Das liegt im Auto und ist so ein perfektes Nachschlagewerk. Manfred Lindsey hat sein Schnitthaarbuch mitgebracht. Dort findet man alles vom Reh, vom Wildschwein und vom Rotwild: links verschiedenes Schnitthaar von der Sau, rechts vom Reh.

Nach der theoretischen Einführung ging's raus an 20 verschiedene Stationen, die Manfed Lindsey und sein Jagdkollege aufgebaut haben. Wir mussten nun die Anschüsse genau untersuchen und herausfinden, wo der Schuss saß. Teils gemeinsam, teils einzeln machten wir uns an die Arbeit, ganz schön schwierig!

Die Anschüsse waren mit einem roten Band markiert. Wir hatten nur die Information, um welches Wild es sich handelt, sonst nichts.
An manchen Anschüssen fand man Schweiß, an manchen Schnitthaar und Knochensplitter, ein Stückchen Leber, Lunge oder auch gar nichts.
Jede Situation war anders und alle kommen immer wieder in der Praxis vor.
Was sieht man hier? Auf den ersten Blick gar nichts, erst beim genauen Hinschauen findet man Knochsplitter. Manchmal verrät auch ein Schwarm Fliegen, dass da etwas sein muss und siehe da ein winzig kleiner Tropfen Schweiß.

Nachdem wir alle den gesamten Anschussparcour erforscht hatten, ging es zurück, von Anschussstelle zu Anschussstelle wurde alles genau erklärt und hinterfragt. Warum muss das ein Laufschuss sein? Was sagt das Wundbett hier? Wer hat das Loch im Baum gefunden, hätte der Schuss in dieser Höhe das Hirschkalb noch getroffen?

Nach zwei spannenden Stunden haben wir es geschafft. und wir wissen jetzt, worauf es ankommt. Jeder von uns ist nun richtig heiß darauf, den nächsten Anschuss in der Praxis richtig zu lesen. Auf jeden Fall wird ein Schnitthaarbuch angelegt, denn das helle Haar von der Keulen-Innenseite hätte man ohne das Nachschlagewerk kaum so sicher gedeutet.
Im Anschluss an das Seminar zeigt uns Manfred Lindsey noch ein wenig Schweißarbeit mit seinem Hannoverschen Schweißhund Muck.

Herzlichen Dank an Manfred Lindsey für den tollen Tag.
Schade, dass so wenige dieses einmalige Erlebnis genutzt haben.

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